Urlaub daheim

12 Urlaub daheim „Im Himmel gibt’s kein Bier, drum trinken wir es hier“ Unterwegs im Bayerischen Wald auf Deutschlands ersten Bierfernwanderweg, wo vielerorts Ruhe herrscht Fern von Dörfern und Straßen zieht sich der Pfad über Wurzeln und moosbesetzte Steine. Die Blätterdächer sieben Lichtflecken aus den Sonnenstrahlen. Gräser streifen an den Beinen entlang. Ein Baum ist mit Zunderschwämmen übersät – einer Pilzart, die einst als Brennmaterial zum Anheizen diente. Der Anstieg auf den Kronberg im Bayerischen Wald treibt den Schweiß auf die Stirn. Die Spitze kratzt an der Tausend-Meter-Marke, umzogen von dichtem Wald. Der Lohn des Aufstiegs ist die Stille – und kein lautes Wirtshaus. Im Gegenteil: Weit und breit ist zunächst auf dem Bierfernwanderweg kein Bier in Sicht. Es sei denn, man hat eins als Proviant in den Rucksack gepackt. Erst beim Abstieg hat die Durststrecke auf der Gutsalm Harlachberg ein Ende. 109 Kilometer, sechs Etappen Aber nur keine Sorge vor Etikettenschwindel. Natürlich fließt auf „Deutschlands erstem Bierfernwanderweg“, wie ihn das Tourismusbüro des Arberlands bewirbt, reichlich Bier. Nur eben nicht überall. Acht Brauereien nebst Biergärten und anderen Lokalen entfallen auf die Kernrunde mit ihren 109 Kilometern und 2836 Höhenmetern. Eingeteilt ist der Rundweg ab Viechtach in sechs Etappen, wobei man ebenso gut in Zwiesel oder Regen einsteigen kann. Hinzu kommen zwei Zusatztouren ab Zwiesel, zu denen man per Bahn gelangt. Bevor es auf die Strecke geht, sollten die Wanderer sich Karte und Wegbeschreibung auf das Handy laden. Sich nur auf aufgeklebte Hopfensymbole entlang des Weges zu verlassen, funktioniert (noch) nicht. Im Etappenort Zwiesel besitzt die Dampfbierbrauerei eine lange Tradition. Während es im 19. Jahrhundert in dem niederbayerischen Städtchen ein Dutzend Brauereien gab, ist sie mittlerweile die einzig verbliebene. Dieter Pfeffer ist Seniorchef der familiär geführten Brauerei und vertritt sein Produkt mit Selbstbewusstsein. „Wir wollen ein Kontrast zu den Großen auf dem Markt sein.“ Den Trinkgenuss sieht Pfeffer als persönliches Erlebnis mit Geschichte: „Hier spüre ich die Region.“ Ihm habe es „gestunken“, sagt der Brauerei-Seniorchef, dass die Presse oft genug von Craft-Bieren aus Amerika geschwärmt habe,, wo doch Vergleichbares auch hier ohne lange Lieferwege entstehe. Ähnlich sieht es Frank Reuter. Er ist Braumeister bei Adam Bräu in Bodenmais, wo ein anspruchsvolles Stück des Fernwanderwegs hinauf zum Berg Hennenkobel beginnt. „In kleinen Brauereien in Bayern wurden schon immer Craft-Biere gemacht“, sagt Reuter. Ihn reize es, „Rezepte von früher wieder aktuell zu machen“. Ehrensache, dass der 54-Jährige jeden Tag Bier trinkt. „Am liebsten ein Helles und immer das eigene.“ Abseits ausgetretener Pfade Der Bierfernwanderweg verläuft vielerorts abseits ausgetretener Pfade. Unterwegs an der frischen Luft schärfen sich Schritt für Schritt die Blicke für Miniaturen der Natur. Das Allerkleinste gewinnt an Größe. Wann hat man inmitten medialer Reizüberflutung zuletzt auf Maserungen von Baumrinden geachtet, Symmetrien von Brennnesselblättern, das leuchtende Grün von Farnen im Gegenlicht? Es muss nicht immer spektakulär zugehen. Ein Erlebnis ist eine Führung durch die historischen Bier- und Eiskeller in Regen. Die waren lange verschüttet und vergessen. Die Postkellerfreunde haben sie wiederbelebt. Sigrid Schiller-Bauer zählt zu ihnen. Ehrenamtlich hilft die 51-Jährige mit, das Kulturgut vor der eigenen Haustür zu erhalten. „Außer Bier wurden früher bei idealer Kühlschranktemperatur auch Produkte wie Fleisch, Wurst, Lauch und Mohrrüben gelagert“, erzählt sie. Dabei steht ihr bei acht Grad Celsius der Eishauch vor dem Mund. Lichteffekte und Infotafeln vertiefen das Erleben im Untergrund. Krönender Abschluss ist eine Bierkostprobe, draußen in der Hütte der Postkellerfreunde. Spruchtafeln zieren die Holzwände. Auf einer steht: „Im Himmel gibt’s kein Bier, drum trinken wir es hier.“ Andreas Drouve, dpa Der Bierfernwanderweg ist nicht so überlaufen, wie es das Bier in seinem Namen vermuten lässt. Der Bierfernwanderweg bietet viele Gelegenheiten, die Schönheit der Natur zu entdecken. Auf der Zusatzetappe abseits des Rundwegs gibt es in der Klause Schwellhäusl „Bier vom Stein“. Fotos: Andreas Drouve/dpa-tmn # ! " ! $ #! & $! " # ! 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