Kultur-Zeit

3 KULTUR-ZEIT 2 KULTUR-ZEIT Der Sommer kommt – mit viel Kultur! E s ist – endlich! – warm. Und hoffent- lich trockener als bisher. Was gibt es da Schöneres, als durch die Maximili- anstraße zu flanieren, ei- nen Blick auf die Frei- treppe des Nationalthea- ters zu werfen, vielleicht Jonas Kaufmann zu beob- achten, wie er durch den Bühneneingang huscht? Noch viel näher kommt man den Künstlern bei der UniCredit Festspiel- Nacht in den Fünf Höfen, bei „Oper für alle“ oder dem Open-Air-Konzert des Staatsorchesters auf dem Marstallplatz. Aber auch in der Um- gebung ist in den nächs- ten Wochen und Mona- ten einiges los. Opern gibt es in Immling und Erl, in Garmisch steht Ri- chard Strauss im Mittel- punkt. Die Passionsspie- ler von Oberammergau spielen zur Vorbereitung auf 2020 einen Schiller, bei dem Bärte nicht scha- den: Christian Stückl in- szeniert „Wilhelm Tell“. Auch Schlösser und umgebaute Stadel sind nunmit Klängen erfüllt – klassisch oder mit Rock und Pop. Kris Kristoffer- son und Jeff Beck treten im Juni im Circus Krone auf, King Crimson sind an zwei Abenden imGasteig zu hören. Jazz gibt es im Bayerischen Hof. Dazu kommen Thea- ter, Musicals, Shows. Egal, wie Sie den Kultur- sommer verbringen wol- len – für alle Wünsche gibt in diesem Heft das passende Programm. Robert Braunmüller EDITORIAL Fußball verstummt D iese Nacht im Juni ist unser Dankeschön an alle Münchner“, sagt Michael Diederich. Auch dieses Jahr erwartet der Sprecher des Vorstands der HypoVereins- bank wieder rund 12 000 Besu- cher zum Auftakt der Münch- ner Opernfestspiele in den Fünf Höfen. Und es ist für jeden et- was dabei: „Bei Pop, Salsa, Klassik oder Literatur gibt es für unsere Gäste immer wieder Überraschendes zu entdecken – auch für ein Publikum, das sich nicht zu den klassischen Opern-Fans zählt.“ Eine Hauptrolle übernimmt dabei wie jedes Jahr das Bayerische Staatsorchester, das jeden Abend im Orchestergraben des National- theaters spielt. Carlos Vera Lar- rucea tritt bei der UniCredit Festspiel-Nacht um 22 Uhr im Theatinerhof auf. Mit seinen Kollegen aus der Schlagzeug- gruppe und einigen Gästen gibt es noch einen zweiten Chi- lenen im Orchester, und auch sonst nimmt in deutschen Or- chestern der südamerikanische Anteil zu – unter anderem auch dank der musikalischen Aus- bildung, die das beispielhafte Programm „El Sistema“ in Ve- nezuela durch seine Jugendor- chester bot und das auch in an- deren Ländern nachgeahmt wurde. Natürlich gibt es im Bayerischen Staatsorchester auch Hiesige wie den Kontrabassisten Reinhard Schmid. Er hat in München stu- diert und kam nach drei Jahren im Orchester des Nürnberger Theaters ans Nationaltheater, wo er seit 1998 spielt. Mit sei- nen zehn Kollegen ist er um 23 Uhr in der HypoVereinsbank- Filiale am Promenadeplatz mit Musik von Verdi, Puccini und Chatschaturjan zu hören – in Arrangements, weil originale Musik für Kontrabassensem- bles sehr dünn gesät ist. Schmids Instrument ist so et- was wie das Fundament des Orchesters. Nirgendwo ist das bei den Opernfestspielen bes- ser zu hören als in Wagners „Rheingold“, das mit dem tie- fen Es der Kontrabässe als Ur- spielt er Salsa – bis zum Ende des Programms gegen Mitter- nacht. Carlos Vera Larrucea stammt aus Chile und ist Sohn eines Schlag- zeugers. Das Vibrafon ist sein Hauptinstrument. Er ist damit un- ter anderem beim Ballettabend „Portrait Wayne McGregor“ zu hören, der am gleichen Abend im Nationaltheater stattfindet und live in den Amirahof über- tragen wird. Aber der in Chile geborene Musiker spielt im Staatsorchester auch noch Tri- angel und 50 weitere Schlagin- strumente. Das kann in den „Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann auch eine Eisen- bahnschiene sein, oder in Janá- cˇeks „Aus einem Totenhaus“ eine rasselnde Kette. Bei Wag- ners „Parsifal“ – der ersten Pre- miere der diesjährigen Fest- spiele – sind die Schlagzeuger des Orchesters der Staatsoper an Tamtams zusammen mit Klavieren für den Klang der Gralsglocken zuständig. Das Bayerische Staatsorches- ter ist unter seinem General- musikdirektor Kirill Petrenko nicht nur Weltklasse, es ist auch in der Besetzung interna- tional. Neben Vera Larrucea Riesenprogramms der UniCre- dit Festspiel-Nacht. Attacca, das Jugendorchester des Baye- rischen Staatsorchesters, spielt eine Hommage an Leonard Bernstein zum 100. Geburtstag. Der Regisseur Axel Ranisch und der Schauspieler Stefan Hun- stein lesen bei Hugendubel und im Literaturhaus. Passend zum derzeitigen „Faust“-Festival gibt es Auszüge aus Gounods Oper, ein Puppenspiel und ei- nen Mephisto-Walzer. Fußball gibt es übrigens auch: Das WM-Spiel Deutschland gegen Schweden wird als stumme Live- Übertragung zu sehen sein und von Stephan Graf von Bothmer entsprechend des Spielverlaufs mit Klavieruntermalung be- gleitet. Es gibt also (fast) nichts, was an diesem Sommerabend fehlt. Robert Braunmüller Samstag, 23. Juni, ab 20 Uhr in den Fünf Höfen sowie im Litera- turhaus, dem Theatinerhof, der Salvatorkirche und auf der Kar- dinal-Faulhaber-Straße. Der Eintritt ist bei allen Veran- staltungen frei das Zusammenspiel imOrches- ter. Dieser Auftritt am 15. Juli im Cuvilliés-Theater wird mo- deriert und begleitet vom Tu- bisten Andreas Martin Hof- meir, einem ehemaligen Mit- glied von LaBrassBanda. Die Auftritte von Carlos Vera Larrucea und Reinhard Schmid sind nur ein winziger Teil des auf von Geigern in der S-Bahn hin und wieder vergessene Violinen, über die man gele- gentlich in der Presse liest. Bei einem Kammerkonzert der Opernfestspiele sind die Kontrabassisten noch ein wei- teres Mal als Gruppe zu hören – das stärkt den kollegialen Zu- sammenhalt und verbessert klang beginnt. Wer das tiefste der Streichinstrumente solis- tisch hören will, muss aller- dings auf die kommende Sai- son und die nächsten Festspie- le warten: In „Salome“ gibt es ein berühmtes Ächzen der Kontrabässe bei der Hinrich- tung Jochanaans, in Verdis „Otello“ begleitet das Instru- ment den Auftritt des Titelhel- den im letzten Akt. Aber der Reiz des Instruments liegt für Schmid in der Vielfalt und im riesigen Tonumfang, den die Musi- ker bei ihrem Auftritt in der Fest- spielnacht ausspielen werden. Natürlich kennt der Musiker auch das Stück von Patrik Süs- kind. „Man kann einen gewis- sen Realitätsbezug nicht ver- leugnen“, sagt Schmid, auch wenn vieles natürlich überstei- gert sei. Süskind holte sich bei einem Musiker des Staatsorchesters Rat, als er den Monolog für Ni- kolaus Paryla schrieb. Spott über sein großes Instrument hört Schmid öfter. „Aber es hat den Vorteil, dass man es nicht vergisst“, meint er im Hinblick Mit der kostenlosen Festspiel-Nacht in den Fünf Höfen beginnen traditionell die Opernfestspiele Gute Laune garantiert: Die Musiker Carlos Vera Larrucea (Schlagzeug) und Reinhard Schmid (Kontrabass) vom Bayerischen Staatsorchester in den Fünf Höfen. Foto: Wilfried Hösl Das Jugendorchester Attacca in den Fünf Höfen. Foto: Marcus Schlaf UniCredit FESTSPIEL- NACHT unicredit-festspiel-nacht.de In Kooperation mit: 23. JUNI 20 Uhr | München FÜNF HÖFE Das Beste aus Oper, Konzert und Literatur. Eintritt kostenlos.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTYzMjU=