Kliniken & Fachärzte

2 Kliniken und Fachärzte Frauen mit Lipödem: Oben Barbie, unten Monchhichi Ein Interview mit Buch-Autorin Isabel García über dicke Beine und gemeine Kommentare Ein Lipödem ist eine Störung der Fett- verteilung, meist an den Beinen und manchmal auch an den Armen. Sie be- trifft fast nur Frauen. Wegen der di- cken Fettpolster werden Betroffene oft verspottet – selbst von den eigenen Freunden. Isabel García wehrt sich: mit einem Buch. Sie sind Kommunikationsexpertin und Coach, ausgebildete Sängerin und Mo- deratorin. Warum schreiben Sie ein Buch mit dem Titel: „Lipödem – Ich bin mehr als meine Beine“? Isabel García: Als ich mit 27 erfahren habe, dass ich das Lipödem habe, gab es keine Bücher, keinerlei Aufklärung dazu. Jetzt gibt es vor allem im Internet viele Infos – aber viele falsche. Die Krankheit ist zum Beispiel nicht zwangsläufig fort- schreitend, wie oft behauptet wird. Sie geht zwar nie komplett weg, lässt sich aber durch Sport und Ernährung bei manchen stoppen. Gerade Schönheitschirurgen stellen eine Operation oft als einzige wirksame Be- handlungsmöglichkeit dar. Und im Netz kursieren schreckliche Bilder von Lip- ödem-Frauen. Dann kriegen die jungen Frauen Panik, verschulden sich zum Teil für eine Operation, weil sie denken, da- nach ist ihr Lipödem für immer weg. Aber das stimmt meistens nicht. Ich möchte mit meinem Buch einfach über die Krankheit aufklären. Sie sind oben dünn und unten dick. Wie reagieren die Menschen auf ihren An- blick? García: Gott sei dank bin ich sehr groß, 1.80 Meter. Da fällt das nicht ganz so auf und ich kaschiere es auch meistens sehr gut. Aber trotzdem höre ich immer mal wieder: Treib doch mal mehr Sport! Oder: Wo sind eigentlich Deine Knie? Und was denken Sie selbst, wenn Sie in den Spiegel schauen? García: Früher dachte ich, diese Beine gehören nicht zu mir. Auch, weil ich sie nicht richtig spüren konnte. Heute übe ich mich darin zu sagen: Das bin ich und das ist in Ordnung. Eigentlich übe ich sogar zu denken: Das bin ich und ich finde mich schön. Aber das ist schwer – es ist ein laufender Prozess. Seit wann tragen Sie diese schwere Bürde mit sich herum? García: Seit der Pubertät. Das ist ganz typisch für das Lipödem. Es beginnt mit einem Hormonschub in der Pubertät, der Schwangerschaft oder den Wechseljah- ren. Wobei noch nicht sicher ist, ob die Krankheit tatsächlich durch die Hormo- ne ausgelöst wird – oder zum Beispiel durch eine Gewichtszunahme, die ja wiederum oft mit einer Hormonumstel- lung zusammenhängt. In jedem Fall be- ginnt es nicht vor der Pubertät. Nur bei Frauen? García: Ja, der Anteil der Männer liegt im Promillebereich. Sie können das Lip- ödem zwar vererben, es bricht bei ihnen aber äußerst selten aus. bei allen Frauen. Dann bleibt nur noch die OP. Die Fettabsaugung… García: Ja, eine spezielle Liposuktion. Wenn das entzündete Fettgewebe ent- fernt wird, kann das auch gegen die Schmerzen helfen. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb die Krankenkassen die Operation noch immer als Schönheits- OP betrachten und sie nicht zahlen. Ich bin nicht dafür, gleich im ersten Schritt zu operieren. Aber wenn alle anderen Methoden nicht gegen den Schmerz hel- fen, sollten die Kassen den Frauen die OP ermöglichen. Sie hält die Krankheit zwar nicht an, aber man spult sie mit Glück für zehn oder 15 Jahre zurück. Und das Argument, dass die Operation so teuer ist, zieht auch nicht. Die kon- servativen Methoden wie Kompressions- strümpfe und Lymphdrainagen gehen für die Kassen über die Jahre genauso ins Geld. Es sind immerhin fast vier Mil- lionen Frauen in Deutschland betroffen. Warum ist ein scheinbar so einfaches Problem wie zu viel Fett so schwer in den Griff zu bekommen? García: Die Wissenschaft ist noch nicht so weit in der Fett-Forschung. So lange nicht klar ist, wie gesundes Fett funktio- niert, weiß man auch nicht, was beim Lipödem falsch läuft. Das gesunde Fett brauchen wir ja. Es kann nicht gut sein, es einfach mit abzusaugen. Wir brau- chen mehr Forschung zum Thema Fett, aber bisher interessiert sich die Pharma- industrie nicht sehr dafür und so werden zu wenige Studien finanziert. Das Gespräch führte Ulrike Kühne. Ausblick: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich Mitte Januar dafür ausgesprochen, die Operation bei der Lip- ödem-Behandlung als Kassenleistung aufzunehmen. Er sagte: „Wenn’s gut läuft, klappt das zum 1. April.“ wie Du behauptest, hättest Du nicht so dicke Beine. Die Leute akzeptieren ein- fach nicht, dass das Lipödem eine Krankheit ist. Den Schmerz kann man ja nicht sehen. Er ist so ähnlich wie ein dauerhafter Kopfschmerz, nur eben in den Beinen. Mit tut selbst der Dusch- strahl manchmal weh. Aber ich kann den Schmerz ausblenden, wenn ich den Fo- kus nicht drauf lege. Das wiederum fällt schwer, wenn ich ständig auf die Figur angesprochen werde. Es ist ein Teufels- kreis. Der Weg hinaus sind zum Beispiel Achtsamkeitsübungen, in denen ich wegkomme vom ständigen Gedanken an den Schmerz. Gibt es neue, erfolgversprechende The- rapien? García: Es gibt einige Ideen in der Pro- bephase. Zum Beispiel eine spezielle Leggins. Oder eine Creme, die ich gerade seit einer Woche ausprobiere. In mei- nem Buch schreibe ich auch über Metho- den wie das Vereisen oder die Hormon- therapie. Aber die wurden inzwischen alle in den Wind geschlagen. Der Schlüs- sel, um das Lipödem langfristig so gut wie schmerzfrei zu machen, liegt meiner Ansicht nach im Sport. Kraftsport vor al- lem, etwas Ausdauersport und eine ge- sunde Ernährung mit hohem Gemüsean- teil. Aber auch dieser Ansatz hilft nicht García: Normalerweise zeigt sich das Lipödem zuerst an den Beinen. Aber es gibt auch Frauen, bei denen es an den Armen anfängt. Es ist immer von Anfang an in den Beinen und Armen drin – nur bricht die Krankheit nicht immer an bei- den Orten aus. Und ja, ich würde sagen, man kann die Krankheit aufhalten. Die wichtigste Regel ist: Nie eine Diät ma- chen! Es gibt Studien mit Lipödem-Pa- tienten die zeigen, dass die Frauen, die immer wieder Diäten gemacht hatten, nach 20 Jahren viel stärker zugenom- men hatten, als diejenigen ohne Diät. Warum die Schmerzen beim Jojo-Effekt immer stärker werden, ist noch nicht ab- schließend geklärt – aber bei den meis- ten ist es so. Allerdings: Moderater Sport und eine Er- nährungstherapie sind wichtig, auch wenn sie nicht zum Wunschergebnis führen. Man muss von Beginn an einen eignen Weg finden und den Körper so akzeptieren, wie er ist. Und was ist schlimmer: Die körperli- chen Schmerzen oder die psychischen Probleme? García: Die psychischen, denn sie ma- chen die körperlichen größer. Ich wurde und werde Lügnerin genannt, früher so- gar von den eignen Freunden. Die sag- ten: Wenn Du so viel joggen würdest, Wie macht sich ein Lipödem bemerk- bar? García: Man merkt, dass man zunimmt – aber nur an zwei Stellen. Bei mir waren das die Oberschenkel. Ich war früher sehr schlank, ein Strich in der Land- schaft. Und dann ein Strich mit zwei schweren Dellen an den Oberschenkeln. Natürlich habe ich sofort eine Diät ge- macht, und lebte so im Diätwahnsinn, seit ich 13 war. Die meisten Betroffenen haben bis zur Diagnose schon einen endlosen Diätma- rathon hinter sich. Das führt zum Jojo- Effekt. Sie nehmen immer wieder zu und in diesen Phasen werden die Schmerzen stärker. Am Anfang hatte ich kaum Schmerzen, aber meine Beine fühlten sich früh anders an. Es war einfach ein Missgefühl, ich konnte die Beine auch nicht still halten und zappelte immer herum, weil etwas sich falsch anfühlte. Erst mit den Jahren kamen die Schmer- zen. Beim Treppensteigen tun die Beine weh, beim Föhnen schmerzen die erho- benen Arme. Das Fettgewebe ist ja dau- erhaft entzündet und Entzündungen tun eben weh. Kann man die Krankheit aufhalten und zum Beispiel verhindern, dass sie sich von den Beinen auch auf die Arme aus- breitet? Isabel García hat ein Buch über ihre Erfahrungen mit dem Lipödem geschrieben. Foto: Nicola Buroh Isabel García: Lipödem. Trias Ver- lag, ISBN: 9783432107882 Mehr Appetit Kinder essen mehr durch Werbung für Süßes Jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick: Über 15 Prozent der Kinder und Ju- gendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, rund sechs Prozent sogar adipös. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) weist darauf hin, dass Kinder schon durch kurze Werbung mehr Kalorien verzehren. Dies zeige eine aktuelle Studie. In einem australischen Feriencamp sahen 160 Kinder rund zehn Minuten fern oder spielten am Compu- ter. Wurde dabei Werbung für ungesunde Produkte eingeblendet, aßen sie am Tag durchschnittlich 46 kcal mehr als die Kinder, die stattdessen andere Werbung sahen. Besonders ausgeprägt war der Ef- fekt bei übergewichtigen Kindern – sie aßen im Mittel 95 kcal mehr. Dabei wurden die gezeigten Produkte gar nicht angeboten: Die Werbung ver- führte die Kinder offenbar generell dazu, mehr zu essen. Bietet man den Kindern genau den beworbenen Snack an, fällt der Effekt noch dramatischer aus, wie bereits 2016 eine Studie aus den USA zeigte. Mit Werbung für Süßes konsumierten Vorschulkinder 30 Prozent mehr Kalorien als ohne. Snack-Werbung schadet Kindern „Wissenschaftlich ist hinreichend erwie- sen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist“, sagt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deut- schen Diabetes Stiftung, „es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Ge- sellschaft immer noch zulassen.“ Umgekehrt kann der Lebensmittelkon- sum durch verständlichere Nährwertin- formationen positiv beeinflusst werden. Auch Personen mit geringem Einkom- men greifen dann häufiger zu Lebens- mitteln mit höherer Nährwertqualität. „Die Ergebnisse zeigen, dass die derzei- tige Kennzeichnung in Deutschland, kleingedruckt und auf der Rückseite der Verpackung, nicht ausreicht“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, die auch Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist: „Verbraucher haben das Recht auf verständlichere In- formationen – dann treffen sie gesünde- re Kaufentscheidungen.“ Die DANK fordert ein verpflichtendes Ampelsystem. Dies empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation, ebenso wie das Verbot von an Kinder gerichte- tes Marketing für alle dickmachenden Produkte. -PM- Das Schokoladeneis hat geschmeckt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa IMPRESSUM KLINIKEN & FACHÄRZTE Verlagsbeilage der Mediengruppe Straubinger Tagblatt /Landshuter Zeitung und der Abendzeitung München am Freitag, 25. Januar 2019 Auflage: 165.797 Exemplare (IVW II/2018) Redaktion: Gertraud Wittmann, Ulrike Kühne Titelbild: ccvision.de Anzeigen: Verkaufsteams der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/ Landshuter Zeitung und der Abendzeitung München Anzeigenmarketing: Carola Meier, Margot Schmid Verlags- und Anzeigenleitung: Klaus Huber Druck: Cl. Attenkofer’sche Buch- und Kunstdruckerei, Verlag des Straubinger Tagblatts

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