Berufsstart 2022

3 Nach der Schule wieder an die Schule Alles Wissenswerte zu Ausbildungen an Berufsfachschulen Eine ganze Reihe an Berufsausbildungen findet nicht im Betrieb, sondern an Fachschulen statt. Das bringt Besonderheiten und viele uneinheitliche Regeln mit sich. Ob Diätassistent, Ergotherapeutin oder Erzieherin: Gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich finden viele Ausbildungen nicht dual, sondern an der Berufsfachschule statt. Wer sich für diesen Ausbildungsweg interessiert, muss erstmal durchblicken, was es damit auf sich hat. Antworten auf wichtige Fragen: 1. Was sind schulische Ausbildungen eigentlich? Hier lernen die Auszubildenden nicht wie im dualen System abwechselnd in Betrieb und Berufsschule, sondern an einer Berufsfachschule. Der Begriff führe allerdings in die Irre, sagt Hanna Stellwag, die beim Fachbereich „Gesundheit und Soziales“ der Gewerkschaft Verdi für die Themen Berufspolitik und Jugend zuständig ist. „Schulische Ausbildungen finden nie nur in der Schule statt“, sagt sie. Vielmehr gebe es auch unterschiedliche Praxisphasen. Und bei Gesundheitsfachberufen wie der Medizinisch-technischen Assistentin (MTA) erfolge die Ausbildungszeit mittlerweile sogar zu einem hohen Anteil in einem Betrieb. 2. Für welche Ausbildungen gibt es Berufsfachschulen? „Landes- und bundesrechtlich geregelt sind deutlich mehr als 100 schulische Ausbildungsberufe“, sagt Matthias Hertle von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Neben den Gesundheits- und Sozialberufen wie der Pflegefachkraft, dem Logopäden und der Erzieherin listet das Portal Berufenet unter anderem auch die Fremdsprachenkorrespondentin oder den Industrietechnologen auf. Ob eine Ausbildung vorwiegend an der Fachschule oder im Betrieb stattfindet, hängt laut Matthias Hertle schlicht von dem Beruf ab, den man ausüben möchte. 3. Was sollte man vorab bedenken? Eine schulische Ausbildung kann zwischen einem und dreieinhalb Jahren dauern. „In der Regel besteht kein Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung“, sagt Hanna Stellwag. Im Gegenteil: Obwohl sich gerade in den Gesundheitsberufen schon einiges getan habe, werde oft noch Schulgeld verlangt. „Das kommt immer ein bisschen auf das Bundesland und den Ausbildungsgang an.“ Darüber hinaus sollten Interessierte darauf achten, dass der jeweilige Abschluss der Berufsfachschule auch in anderen Bundesländern anerkannt ist. Andernfalls können Absolventen später nicht bundesweit tätig sein. 4. Wie ist das Bewerbungsverfahren aufgebaut? Grundvoraussetzung für die Zulassung ist an den meisten Berufsfachschulen ein mittlerer Schulabschluss. Je nach angestrebten Beruf kommen weitere Bedingungen hinzu – zum Beispiel ein bestimmtes Mindestalter oder ein Gesundheitszeugnis. Daneben kann es an verschiedenen Schulen auch Eignungstests geben. Als ehemalige Lehrende spricht Julia Schirmer vom Deutschen Verband Ergotherapie (DVE) aus eigener Erfahrung. Vor der ergotherapeutischen Ausbildung durchlaufen die Kandidaten etwa einen internen Auswahlprozess. „In den meisten Bewerberverfahren werden die sozial-kommunikativen Kompetenzen überprüft“, sagt Schirmer. Es kann auch praktische Übungen und Allgemeinwissenstests geben. 5. Wie läuft die Ausbildung ab? Das ist in der jeweiligen Ausbildungsordnung und dem Rahmenlehrplan geregelt. Dennoch können Ausbildungen an Berufsfachschulen sehr unterschiedlich ablaufen. Abhängig ist das etwa von Faktoren wie dem Job, der Branche und dem jeweiligen Bundesland. Außerdem spielt es darüber hinaus eine entscheidende Rolle, ob eine Schule einen öffentlichen oder privaten Träger hat. 6. Wie sieht es mit den Kosten und der Finanzierung aus? Auch die Frage nach Kosten und Finanzierung unterscheidet sich oft – je nachdem, welche Schule man für welchen Beruf in welchem Bundesland besucht. Die Ausbildung an Pflegeschulen ist für die Auszubildenden mittlerweile bundesweit kostenfrei, Azubis erhalten auch eine Vergütung. Hendrik Polland Eine Reihe an Berufsausbildungen findet an Fachschulen statt. Foto: Markus Hibbeler/dpa-tmn TIPP: Wer Schulgeld zahlen muss, kann sich über finanzielle Förderhilfen informieren. Neben dem Schüler- und Aufstiegs-Bafög kommen ein Bildungskredit oder die Berufsausbildungsbeihilfe der Agentur für Arbeit infrage. Mehr unter www.babrechner.arbeitsagentur.de Update für Gastro-Berufe Neue Ausbildungsordnungen und ein neuer Beruf Die Ausbildungsberufe im Hotel- und Gastgewerbe werden aufgefrischt. Für einige Ausbildungen gibt es ab August 2022 eine neue Ausbildungsordnung, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) informiert. Ein Beruf kommt sogar ganz neu hinzu. Die Ausbildung zum Restaurantfachmann wird umbenannt. Künftig sind die Azubis angehende Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie. Auch die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe bekommt einen neuen Namen: Künftig wird von Fachkräften für Gastronomie die Rede sein. Fachleute für Systemgastronomie hingegen sollen künftig alle Bereiche eines Restaurants organisieren, wie zum Beispiel die Steuerung von Arbeitsabläufen und die Überwachung der Produktqualität. DieHotelfachleutesollen die Generalisten in Hotels und Gasthäusern bleiben. Sie übernehmen weiterhin die Betreuung der Gäste von Ankunft bis Abreise. Angehende Köche sollen sich künftig auch für eine Vertiefung in vegetarischer und veganer Küche entscheiden können. Neu hinzu kommt der Beruf Fachkraft Küche. Die zweijährige Ausbildung richtet sich den Infos zufolge an praktisch begabte Jugendliche, die Köche und Köchinnen künftig bei der Zubereitung von Speisen und Gerichten unterstützen. Amelie Breitenhuber Neuerungen ab August in einigen Gastro-Berufen Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-tmn

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