Berge, Strand und Mehr

4 Berge, Strand & Mehr In Valencia verschmelzen Tradition und Moderne Strandfeeling und der Sinn für Design: Spaniens drittgrößte Stadt ist vielfältig. Am liebsten ist David im Morgengrauen unterwegs, nachdem die letzten Nachtschwärmer die Kneipen und Bars der Altstadt verlassen haben. Wenn die Reisebusse noch keine Urlauber vor dem mächtigen, mittelalterlichen Stadttor Torres de Serranos ausgespuckt haben und bevor die Cafébesitzer ihre Sonnenschirme auf der Plaza de la Virgen aufspannen. Im Morgengrauen hat David de Limón das Barrio del Carmen, das älteste Viertel der Mittelmeermetropole, für sich. Doch David zieht es nicht zu den herrschaftlichen Gebäuden, nicht zu der Kathedrale, in der sich große Architekturgeschichte – die Romanik, die Gotik und der Barock – auf kleinstem Raum zeigt. Nicht zu den Museen voller römischer Ruinen oder moderner Kunst. Ein Viertel im Wandel David zieht es hinein in das Geflecht unzähliger Gassen und verwinkelter Sträßchen, die das Viertel prägen. Das Straßenlabyrinth der Altstadt ist der Kiez des 40-Jährigen, der sich als Street Artist einen Namen gemacht hat. Die meisten seiner Motive an Mauern und Fassaden zeigen eine schwarz gekleidete, maskierte Person, oftmals geziert mit einem roten Herz, hin und wieder mit einer Sprühdose in der Hand: ein Streetart-Künstler, der sich wie David hie und da in der Altstadt blicken lässt. Seit Davids Kindheit hat sich das Barrio del Carmen stark gewandelt. „Früher haben unsere Eltern uns verboten, manche Straßenzüge zu betreten“, sagt er. Viele Häuser wurden dem Verfall preisgegeben. Das spürt man noch heute. Die Gebäude galten als gefährliche Drogenumschlagplätze. Doch es hat sich einiges getan. Stadtbewohner und Zugezogene haben das Straßengewirr neu für sich entdeckt, dessen Gassen und Plätze für Autos weitestgehend gesperrt wurden und zum Flanieren und Entdecken einladen. Und auch die Straßenkunst, die immer schon Teil des Viertels war, wird seit einigen Jahren zunehmend geschätzt und toleriert. Mittlerweile gehört sie genauso zum Barrio del Carmen wie die unzähligen kleinen Tapasbars, Läden und Galerien. Teil des Weltkulturerbes „Valencia hatte immer seine Hoch- und Tiefphasen“, erklärt Architekt Boris Strzelczyk. Er lebt wie David de Limón im Barrio del Carmen. Es gab Phasen, in denen die Stadt stark wuchs. So wie im 15. Jahrhundert, als Produktion und Handel mit Seide und anderen Gütern Geld in die Stadtkassen spülten und Bauten wie die gotische Seidenbörse entstanden. Heute ist sie Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Oder Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Anbau von Orangen Valencia erneut Reichtum bescherte und prächtige Bauwerke im Modernisme, einer Form des Jugendstils, in und um die Altstadt erbaut wurden. Darunter etwa der von Mosaiken gezierte Nordbahnhof. Heute sind es nach Ansicht des Architekten Strzelczyk in erster Linie viele, auf den ersten Blick unscheinbare Projekte, die die mit knapp 800000 Einwohnern drittgrößte Stadt Spaniens attraktiver machen: Unzählige Radwege, die in den vergangenen Jahren entstanden oder erweitert wurden, wiederbelebte Anwohnermärkte und instandgesetzte Parkanlagen. Andrea Frank Der Palast der Künste wirkt in der „Stadt der Künste und Wissenschaften“ spektakulär und wichtig. Foto: Josep Gil/Visit Valencia/dpa-tmn Am Plaza de la Virgen sollen die Römer vor rund 2000 Jahren Valencia gegründet haben. Foto: David Rota/Visit Valencia/dpa-tmn Die Gebäude des Ensembles „Stadt der Künste und Wissenschaften“ wirken auf den ersten Blick wie Skulpturen. Foto: Alexandra Frank/dpa-tmn

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